Während die Fashion Week in Berlin gerade in vollem Gange ist, möchte ich einen Schritt zurück treten und über etwas schreiben, dass vor allem im Hinblick auf die Modebranche und auch auf die Fashion Week schwierig ist – der weibliche Körper bzw. was darüber gesagt und gedacht wird. Wir sprechen alle von Bodypositivity und betreiben trotzdem einen Körperkult, der mit dem (Bikini-)Bild der normalen Durchschnittsfrau nichts zu tun hat.

Natürlich nehme ich mich selbst davon nicht aus. Durch Sport und gesunde Ernährung möchte ich in erster Linie zwar fit und gesund bleiben. Doch ich mache mir nicht vor, dass ich mir davon nicht auch einen straffen und knackigen Körper erhoffe. Seit ich blogge, ist mir aufgefallen, dass ich dahingehend einen noch größeren Druck verspüre, “besser” auszusehen. Dabei habe ich jetzt nicht gerade das allerschwächste Selbstwertgefühl.

Bikini-Strand-Look

In diesem Zusammenhang kann ich euch nur das Interview mit Dagmar Pauli, Expertin auf dem Gebiet Kinder- und Jugendpsychatrie und Essstörungen – empfehlen, die sagt: “Wir haben über Jahrzehnte verlernt, den normalen weiblichen Körper schön zu finden.” Medial gesehen stimmt das auch. Aber es widerspricht meiner Ansicht nach der Alltags-Realität. Denn die meisten Menschen, die in einer glücklichen Beziehung sind, haben

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wahrscheinlich kein Topmodel zur Partnerin und lieben sie nicht nur, sondern finden sie auch schön. Es gibt hier also eine krasse Diskrepanz. Auf der einen Seite feiern wir ein Schönheitsideal ab, dem kaum jemand entspricht – und auf der anderen Seite können wir Körper, die dem Ideal nicht entsprechen, absolut schön finden. Und obwohl wir das alle eigentlich wissen, fühlen sich dennoch viele Frauen unglücklich mit ihrem Körper.

Bikini-Strand-Look

Jeder hat seinen eigenen ästhetischen Anspruch und findet das eine oder das andere schön. Das können wir nicht ändern, auch die Bodypositivity-Bewegung nicht. Es bringt nichts, Menschen vorzuschreiben, was sie schön finden sollen. So läuft das nicht. Allerdings finde ich das Gegenteil – also Bodyshaming – ebenso dumm. Deswegen finde ich echte Toleranz unabhängig von unseren ästhetischen Vorstellungen einfach mega wichtig.

Dazu gehört auch, dass wir medial andere Darstellungen von Körpern zulassen, die nicht dem Ideal entsprechen. Allerdings meine ich damit nicht diese Abnehm-Shows, in denen Dicke zur allgemeinen Belustigung vorgeführt werden. Genauso wenig meine ich Shows, in denen jungen, dünnen Mädchen suggeriert wird, sie müssten noch dünner sein, um erfolgreich werden zu können. Das fördert nur das Denken in Stereotypen.

Bikini-Strand-Look

How to have a beach body? Have a body. Go to the beach.

Letztlich geht es um Vielfalt und darum, den Menschen hinter dem Körper zu respektieren, und nicht darum, ihn unbedingt schön zu finden. Wer das nicht kann, kann sich selbst nicht mögen. Würden wir nur mal mit dem Bodyshaming aufhören – bei Dicken und auch bei Dünnen – wäre das schon ein Anfang.

Aktionen, wie die von Desigual, sind da schon hilfreicher. Mit deren Bademoden-Kampagne, die ich hier schon mal erwähnt habe, setzen sie dem Mainstream etwas entgegen, in dem sie auf Photoshop-Retusche verzichten. Auch Asos verzichtet neuerdings auf Photoshop-Verschönerungen an seinen Models.

Bikini-Strand-Look
Bikini-Strand-Look

Pieces

Kaftan: H&M

Bikini: H&M

Sonnenbrille: H&M

Schuhe: Cox

Bikini-Strand-Look

Die digitale Zauberkiste

Also zeige ich euch heute einen Bikini-Look, der absolut dem Motto (Wie bekomme ich einen Strandkörper? Hab’ einen Körper, geh zum Strand) entspricht – ganz ohne Photoshop und Co. Denn ich käme mir ziemlich albern vor, wenn ich meinen Körper mit Hilfe von einschlägigen Apps in Form bringen würde. Längere Beine hier, schlankere Hüften da, und schon ist der Traumbody aus der digitalen Zauberkiste fertig.

Nein danke, das bin ich nicht. Und ich finde, niemand hat das nötig. Peinlich wird es obendrein, wenn man mit Photoshop nicht mal richtig umgehen kann, wie es bei diesen Star-Fails der Fall ist. Wenn wir also wissen, das selbst bei den schlanken Stars noch am Körper herumgephotoshopt wird, können wir doch mal alle ein wenig lockerer werden und den ganzen Körperwahn nicht so ernst nehmen. Zugegeben, es ist nicht das leichteste Unterfangen. Auch ich kann mich dem nicht konsequent entziehen.

Bikini-Strand-Look

Schließlich ist jeder von uns mit diesem Idealbild von einem Frauenkörper groß geworden. Wir alle sind davon geprägt und möchten dem in gewisser Weise entsprechen, Bodypositivity ade.

Bikini-Strand-Look
Bikini-Strand-Look

Die angestrebte Bikini-Figur immer vor Augen, hören wir nie auf, uns kritisch im Spiegel zu beäugen. Ich zum Beispiel habe in den vergangenen Monaten durch ewiges Sitzen und zu wenig Sport zugenommen und möchte das auch wieder ändern. Trotzdem zeige ich euch meinen Bikini-Look, weil ich keine Angst habe vor den Urteilen der anderen. Denn ich weiß ja, worauf sie beruhen. Es hat nichts mit meinem Körper zu tun.

Bikini-Strand-Look

So, das wollte ich nur mal gesagt haben, haha. Eigentlich habe ich diesen Beitrag geschrieben, weil mich eine Leserin dazu inspiriert hat. Sie schrieb mir, dass sie es sehr schätzt, dass auf meinen Bildern nichts “gestreckt”, “bearbeitet” oder “beschönigt” ist, was so natürlich nicht stimmt. Ich bearbeite meine Bilder, lege meine Filter drüber und retuschiere auch Pickel, da ich an meine Bilder einen bestimmten ästhetischen Anspruch habe.

Bikini-Strand-Look

So gesehen werden die Bilder auch beschönigt. Aber das meinte sie damit gar nicht. Es ging ihr eben um diesen Manipulationswahn von Körpern auf Instagram und Co. Und das hat mir wirklich zu denken gegeben. Was macht das eigentlich mit jungen Frauen? Ich denke, wir Bloggerinnen haben daher auch eine Verantwortung gegenüber unseren Leserinnen. Ich bin nicht perfekt und möchte auch nicht vorgeben, es zu sein. Denn niemand ist es.

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Wie stark prägt euch das Schönheitsideal unserer Medienwelt?

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