Es ist vollbracht, wieder haben sich zwei meiner Freunde vermählt. Und bevor es hier gleich grundsätzlich wird, muss ich nochmal betonen, was für eine wundervolle Hochzeit in einer unglaublich traumhaften Location das war. Mehr dazu folgt. Ich war nun schon auf einigen Hochzeiten und finde es jedesmal wieder schön, dabei zu sein, wenn meine Freunde heiraten und wir diesen großen Schritt in ihr gemeinsames Leben zusammen feiern können.

In solchen Momenten denke ich immer, dass ich auch gerne heiraten, dass ich auch gerne meine Liebe zu meinem Schatz mit meinen liebsten Menschen feiern würde. Einfach weil es so schön ist. Andererseits würde sich unser Leben dadurch ja nicht ändern. Es wäre eine schöne Party, mehr nicht. Oder? Ich frage mich daher oft, warum Menschen eigentlich heiraten. Es geht doch im Grunde nur um eine rechtliche Absicherung.

Die Liebe ist auch ohne Trauschein da und vermehrt sich durch diesen nicht. Und dennoch muss der Akt an sich schon sehr rührend für das Paar sein. Andererseits habe ich erlebt, wie stressig die Vorbereitungen und der Tag selbst auch für das Brautpaar ist. Trotzdem glaube ich, dass der Hochzeitstag grundsätzlich ein schönes Erlebnis für alle Beteiligten ist. Und dennoch frage ich mich immer wieder: will ich das eigentlich? Und inwieweit ist meine Meinung vom Druck in der Gesellschaft beeinflusst, der ja mit steigendem Alter definitiv größer wird.

Klar wird man ständig gefragt, ob und wann und so weiter. Nach jeder Hochzeit, bei der ich Gast bin, bin ich mir auch sicher, dass ich es will. Aber wenn die rosarote Stimmung erst einmal vorbei ist, zweifle ich wieder, ob es wirklich das Richtige für mich wäre. Mein Liebster war schon mal verheiratet und möchte gerne darauf verzichten, es ein zweites Mal zu sein. Ich kann das auf der einen Seite verstehen, andererseits finde ich einen kategorischen Ausschluss auch nicht fair.

Welchen Sinn hat das Heiraten eigentlich?

Die große Frage, die ich mir stelle, ist doch: Was bringt mir das Heiraten eigentlich, abgesehen von der schönen Feier, den tollen Fotos und einer wunderbaren Erinnerung? Tatsächlich fände ich, wenn man es nach ganz rationalen Gesichtspunkten beurteilt, eine Hochzeit aus rein rechtlichen Gründen sinnvoll. Zum Beispiel wenn man steuer- und erbrechtliche sowie Sorgerechts-Angelegenheiten damit regeln möchte.

Aber wenn das keine Rolle spielt, sollte man heiraten, um die Gemüter um einen herum zu beruhigen? Damit die Gesellschaftsfähigkeit in den Augen von einigen Konformisten wiederhergestellt ist? Vielleicht sträube ich mich auch deswegen ein bisschen dagegen. Wenn auf mich Druck in irgendeiner Form ausgeübt wird, kommt sofort der Rebell in mir hoch. Trotzdem schließe ich nicht aus, irgendwann mal doch zu heiraten. Ich würde es wahrscheinlich wirklich nur wegen rechtlicher Dinge und der schönen Feier tun.

Denn Hochzeitsfeiern finde ich wirklich grandios. Ich bin immer wieder froh, wenn Freunde von mir heiraten. Die tollen Kleider, die Deko, das leckere Essen – alles ist so schön. Wenn ich dann plötzlich selbst im Mittelpunkt einer solchen Feier stehen würde, könnte mir das sicher noch besser gefallen. Doch ansonsten fällt mir kein Grund mehr ein. Ich bin nicht religiös und kann der Zeremonie in der Kirche nichts abgewinnen. Daher fällt auch dieses Argument für mich weg.

Ob es überhaupt Sinn macht, übers Heiraten nachzudenken, wenn es für den Partner gar nicht in die Tüte kommt, ist natürlich eine ganz andere Frage. Aber Gedanken sind eben da, um auch mal ausgesprochen zu werden. Wie auch immer, ich frage mich jedenfalls jetzt schon, auf wessen Hochzeit ich wohl als nächstes tanzen werde. Noch hat sich niemand angekündigt. Aber die nächste Hochzeit kommt bestimmt.

Was denkt ihr über das Heiraten? Ich halte es für wahrscheinlich, dass Menschen in unseren unsicheren und gefährlichen Zeiten auch wieder mehr Sicherheit in konservativen Strukturen suchen. Vor allem junge Leute der Generation Y spüren diese Unsicherheit, was Job und Zukunft angeht, heute mehr als deren Elterngeneration, die ihre Existenz in den goldenen Jahren aufgebaut hat. Ok, da spricht nun die Soziologin aus mir. Aber was sagt ihr nun? Heiraten yay oder nay?

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