Eigentlich wollte ich heute meine Gedanken zu Liebe und Glück mit euch teilen. Passend zur Weihnachtszeit wollte ich über die schönen Dinge des Lebens schreiben. Doch nach dem schrecklichen Terroranschlag in Berlin, habe ich davon abgesehen. Denn einfach so zu tun, als wäre nichts passiert, wäre unpassend und pietätlos gewesen.

Deswegen möchte ich zunächst allen Angehörigen der Opfer mein Beileid und Mitgefühl aussprechen. Und den Überlebenden selbst wünsche ich viel Kraft und Unterstützung für ihre Genesung und die Zeit danach.

Die Geschehnisse möchte ich auch deswegen nicht unkommentiert lassen, weil ich ahne, was für Dimensionen dieser Vorfall annehmen könnte. Der Terror ist schon längst in Deutschland angekommen. Das beweist diese abartige Tat einmal mehr. Natürlich wollen uns die Täter dort treffen, wo es am meisten wehtut, zur Weihnachtszeit, wenn wir ausgelassen mit Familie und Freunden feiern. Das ist schrecklich. Und es ist zweckmäßig – für das Ziel der Terroristen.

 

Von Terror profitieren die Radikalen

 

Profitieren werden nämlich genau zwei Seiten von dieser und ähnlichen Taten, die Terroristen und die rechtsextremen Populisten. Ihr Ziel ist es, Angst und Schrecken über die Gesellschaft zu bringen, um ihre religiös bzw. politisch motivierten Ziele zu erreichen. Gefährlich ist das vor allem für den Rest dieser Gesellschaft, der verunsichert und manipuliert werden soll, um der einen oder der anderen Seite zu folgen.

Ja, ich habe Angst. Angst vor der Spaltung unserer Gesellschaft. Sie kann nichts Gutes bringen, bloß Unheil und Hass, noch mehr Radikalität und noch mehr Terror. Wollen wir das wirklich? Einen immer radikaleren Diskurs mit seinen lauten Rufen gegen Muslime und somit seinen verheerenden Folgen für Menschen eines bestimmten Kulturkreises? Denn je schärfer der Ton, je radikaler der Ruf nach einer Politik „für die Deutschen“, desto eher werden sich – wie in der Vergangenheit schon bewiesen – immer mehr Leute ermächtigt fühlen, die Dinge auch mal „selbst“ in die Hand zu nehmen.

 

Wir brauchen Differenzierung

 

Ich will aber nicht, dass eine Mutter und ihr Kind in der U-Bahn angepinkelt werden, weil sie ausländisch aussehen. Ich will nicht, dass Häuser brennen, weil dort Flüchtlinge leben. Ich will nicht, dass ein bestimmtes Merkmal wie das Muslimisch-sein oder das Anders-Aussehen missbraucht werden, um Gewalt und Hass gegen alle Migranten zu rechtfertigen. Ich will nicht, dass sich unsere Geschichte wiederholt.

Denn eines ist klar. Die Menschen, die Opfer solch undifferenzierter Verurteilung werden, haben mit den schrecklichen Dingen, die passieren, nichts zu tun. Versteht mich nicht falsch. Diejenigen, die sich radikalisieren und Terroranschläge verüben oder andere dabei unterstützen, müssen hart bestraft werden, keine Frage. Aber das gilt für beide Seiten, denn der Terror von rechts, der seit Jahren in Deutschland wütet und von Pegidisten und AfD‘lern befeuert wird, trägt genau die gleichen Früchte wie der islamistische Terror. Nur wird er nicht annähernd so ernst genommen. Das ist gefährlich.

 

Uns bleiben Hoffnung und Vernunft

 

Jegliche Gewalt und jeglichen Terror, egal von welcher Seite sie kommen, verabscheue ich. Als Pazifistin glaube ich nicht daran, dass Gewalt irgendetwas besser machen kann. Der Krieg in Syrien macht mich krank. Ich sehe, wie die Kinder dort leben, leiden, sterben. Und das, weil ein paar Großmächte ein bisschen Schach spielen.

Terror können wir so nicht verhindern, im Gegenteil. Auch die Angst wird uns nicht mehr verlassen. Wir haben aber in der Hand, was wir daraus machen. Ich möchte mich nicht zum Spielball von Demagogen machen lassen, die mir Scheiße ins Hirn pflanzen wollen. Was uns bleibt, ist die Hoffnung und die Vernunft. Lassen wir uns nicht von Hass verblenden. Besinnen wir uns auf das Glück, dass uns trotz aller schrecklichen Geschehnisse auf der Welt bleibt. Dass wir in unserer Familie und unseren Freunden finden. Ich weiß, dass das für viele Familien, die durch Terror zerstört wurden, alles andere als einfach ist. Doch ich hoffe trotzdem, dass auch sie ihren Frieden finden können. Und Hass ist dabei kein guter Berater.

Ich weine, wenn ich an all das Leid denke, dass durch Gewalt erzeugt wird. Wie viele Seelen müssen noch zerstört werden, damit wir endlich begreifen, dass es nichts bringt? Was uns bleibt, ist die Hoffnung und die Vernunft.
Bitte bedenkt dies bei der nächsten Wahl.

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