Ich weiß, Midlife-Crisis klingt irgendwie abwegig bei Frauen in den Dreißigern. In dieser Lebensphase muss doch alles laufen, alles stimmen. Da geht das “Erwachsenen”-Leben eigentlich erst richtig los. Eine Midlife-Crisis passt doch eher zu Mittvierzigern, die nach Jahren der Selbstausbeutung bemerken, dass das alles keinen Sinn macht. Falsch! Es geht auch früher. Es war eine Midlife-Crisis, die mein ganzes Leben dieses Jahr auf den Kopf gestellt hat. Ich wusste plötzlich nicht mehr,
wer ich bin, was ich will, wohin ich will.

Alles begann damit, dass ich 2015 einen Job angenommen habe, der mich fast zerstört hat. Ich hatte eine feste Stelle als Redakteurin bekommen, was heutzutage schon einem Wunder gleicht. Zuvor war ich freiberuflich tätig, was mir an sich Spaß gemacht hatte, aber ich dachte, ich müsste mal was verändern. Und das veränderte tatsächlich alles.

Nach kurzer Zeit in meinem neuen Job ging es mir so schlecht, dass ich krank wurde. Die Arbeitsbedingungen waren so unglaublich unmenschlich. Und ich bin ein Typ, der es nicht lange in so ungesunden Strukturen aushält – zum Glück. Mein Selbstschutz-Mechanismus hat schnell gegriffen.

 

Es ist ein Befreiungsschlag aus alten Ängsten, Strukturen und Zwängen. Seit Jahren hatte ich schon mit dem Gedanken gespielt, einen Blog zu starten, habe mich aber selbst immer wieder blockiert. Das soll sich jetzt ändern. Nein, es hat sich schon geändert. Und ich hoffe, ich kann jedem, dem es genauso geht, wie es mir damals ging, Mut machen. Irgendwann platzt der Knoten und man zieht seine positiven Schlüsse aus den miserabelsten Situationen. Meine Mama sagt immer sinngemäß: Es gibt nichts Schlechtes, was nicht auf’s Gute herauskäme. Und wie das mit Müttern so ist,
sie haben immer recht.

Nachdem ich dort aufgehört hatte, fühlte ich mich aber nicht wirklich besser, ich fiel stattdessen in ein tiefes Loch. Wochenlang war ich wie paralysiert. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich fing wieder an freiberuflich zu arbeiten, aber das reichte mir nicht mehr. Ich wollte etwas tun, was mich persönlich erfüllt, über Dinge schreiben, die mich
interessieren, inspirieren und bewegen.
Und so fing ich einfach an zu bloggen.

Kein Wind ist demjenigen günstig, der nicht weiß,
wohin er segeln will.
– Michel de Montaigne

Gefällt dir der Beitrag? Sag's weiter