Nun kommt wie versprochen der Post zu meiner Piemontreise. Es sollte ja wie angekündigt ein Feinschmeckertrip werden, was auf jeden Fall gelungen ist. Schließlich ist das Piemont bzw. die Gegend um Alba weltberühmt für seine weißen Trüffeln, die auch Albatrüffeln genannt werden. Dieser wertvolle Pilz wächst nur dort, weswegen er so selten und teuer ist. Doch es lohnt sich, wenn man schon mal da ist, dafür ein wenig Geld hinzublättern, denn der Geschmack von weißen Trüffeln ist wirklich einmalig.

Wie ihr unschwer an den Bildern erkennen könnt, war die Trüffelsuche mein persönliches Highlight. Ich hatte das Glück, mit einem Trüffelsucher und seinem Hund Lola durch die Wälder streifen zu dürfen und mit ihnen nach der begehrten Ware zu suchen. Allerdings hatte ich naives Ding mir das anfangs ganz anders vorgestellt. Ihr müsst dazu wissen, dass ich Wälder nicht besonders mag.

Der Trüffelsucher lässt seinen Hund nach den Trüffeln graben

Schon als Kind habe ich es gehasst, meine Eltern zum Pilzesuchen zu begleiten. Ich hatte immer Angst vor Zecken und davor, die anderen zu verlieren und allein durch den Wald herumzuirren. Ich bin ein Stadtkind verdammt und das wird sich nie ändern. Jedenfalls dachte ich also, dass wir so ein bisschen am Wegesrand heraumlaufen und dem Hund beim suchen der Trüffeln zusehen würden. Es stellte sich heraus, dass der Wald, der übrigens auf einem Hügel stand, nicht nur steil war, sondern auch keine Wege hatte.

Wir liefen also mitten durch das Dickicht. Und Lola wählte immer besonders dicht bewachsene Stellen zum Suchen aus. Jedesmal, wenn sie auf Trüffeln gestoßen ist, fing sie wie wild an zu graben. Dann übernahm ihr Herrchen, damit sie die sensiblen Knollen nicht zerstört bzw. auffrisst. Ich lernte, dass Trüffelhunde ziemlich auf diesen Pilz stehen und ihn auch mal gerne essen. Nur Hunde, die Trüffeln mögen, kann man zu Trüffelspürhunden ausbilden, was im Übrigen rund drei Jahre dauert.

Ohne einen Hund wäre die Trüffelsuche nicht möglich
Auf der Trüffelsuche findet man weiße Trüffeln seltener als schwarze
Die Trüffelsuche ist ein lukratives Geschäft
Hunde sind unabdingbar bei der Trüffelsuche

 

Die Trüffel ist fürwahr der Mozart der Pilze. – Gioacchino Rossini

Weiße Trüffeln bringen mehrere 1000 Euro pro Kilo ein
Auf der Trüffelmesse von Alba haben wir dann sehen können, was der Fund dem Trüffelsucher einbringen würde. Das Kilo weiße Trüffel wurde für durchschnittlich 3.500 Euro gehandelt. Schwarze Trüffeln kosteten hingegen “nur” rund 1.000 Euro pro Kilo. Fazit: Trüffeln sind Luxus und ich bin stolz auf mich, diese Waldodyssee so tapfer hinter mich gebracht zu haben. Obwohl mein ganzer Körper danach juckte. Ich war sicher, mir Zecken eingefangen zu haben. Dem war nicht so. Ja, ich bin etwas paranoid.
Außerdem erfuhr ich, dass der Trüffelsucher dreimal am Tag dieselbe Route nimmt und jedesmal Trüffeln findet. Das liegt nicht daran, dass sie so schnell wachsen. Die Luxusknollen sondern ihr intensives Aroma aber nur zu bestimmten Zeiten ab. Deswegen kann es sein, dass der Trüffelhund morgens an einer Stelle nichts findet und nachmittags am selben Platz plötzlich anschlägt. Faszinierend! Unsere Ausbeute auf dieser Trüffelsuche waren sieben schwarze und zwei weiße Trüffeln – ein kleines Vermögen.
Bei der Trüffelsuche spielt das intensive Aroma von weißen Trüffeln eine wichtige Rolle
Weinlese im Piemont
Die Weintrauben werden bei der Weinlese in Körben gesammelt
Weine wie Barolo, Barbera, Barbaresco und Roero gehören zu den Besten im Piemont

Trüffeln sind aber nicht das einzige kulinarische Highlight im Piemont. Einer der besten Weine kommt auch daher – der Barolo. Und auch seine kleinen Geschwister wie Barbera, Barbaresco oder Roero können da ganz gut mithalten. Die Weinlese war schon in den letzten Zügen als ich im Piemont war. Ich hatte Glück, dass ich einen Winzer auf seinem Weinhügel traf und durfte ihn bei seiner Arbeit begleiten. Auch das hatte ich mir anders vorgestellt, weil ich mal wieder naiv war. Bei der Weinlese interessierten sich vor allem Tausende von Wespen für die leckeren Trauben – und mich. Verdammt, ich hasse Wespen. Das Stadtkind in mir verspürte plötzlich eine Sehnsucht nach Beton und Asphalt…

Natürlich bin ich nicht schreiend weggelaufen, sondern habe unter regelmäßigen Panikattacken zugeschaut und Fragen gestellt. Was habe ich dabei erfahren? Die Trauben werden alle per Hand gepflückt. Auf einem Hügel können verschiedene Rebsorten wachsen. Doch die sagen noch lange nichts darüber aus, ob ein Wein gut ist. Die Qualität des Weins hängt vor allem von der Bodenbeschaffenheit und der Lage des Hangs ab. Nach der Ernte müssen die Trauben direkt verarbeitet werden.

 

Trüffelsuche und Weinlese – das ist das Piemont

 

Nachdem der Winzer seine acht Tonnen Trauben geerntet hatte, sind wir zu einer Weinkellerei gefahren. Dort wird erstmal genau gewogen und anschließend der Zuckergehalt der Trauben gemessen. Diese Parameter entscheiden schließlich über den Preis. Auch hier waren die Wespen unsere ständigen Begleiter – was sonst!? Der Winzer ließ die Ladung von seinem Lkw in die Maschine plumpsen und zischte ab. Seine Arbeit war getan. Die Kellerei stellt den Wein nämlich her, lagert ihn und füllt ihn ab.

Die besten Weine durfte ich übrigens in dem kleinen Bergdorf Castellinaldo d’Alba probieren. Zu einem leckeren Vier-Gänge-Menü reicht man in der Osteria delle Aie Spitzenweine ausschließlich aus Magnumflaschen. Das war mein kulinarischer Höhepunkt. Das Essen war klasse und der Wein perfekt von den Mitarbeitern ausgesucht. Und ich war am Ende eine sturzbetrunkene Kugel. Wer in der Gegend ist, sollte sich das nicht entgehen lassen.

 

Hier noch ein kleiner Funfact zum Thema Wein:

 

Wusstet ihr, dass aus den Trestern der Weintraube, also den Schalen, die bei der Weinherstellung übrig bleiben, Grappa gemacht wird? Sie werden zu speziellen Destillerien gebracht und dort zu dem bekannten Schnaps gebrannt. Die Weintrauben werden also komplett verwertet. Ich muss zugeben, ich stehe mehr auf Wein als auf Grappa. Was trinkt ihr lieber, Wein oder Schnaps?

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