Solidarität statt Wegschauen

 

Mein heutiger Post steht ganz im Zeichen der Solidarität. Denn heute ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Diejenigen unter euch, die mich schon etwas kennen, wissen, dass mir solche Themen wichtig sind. Denn Gewalt ist nicht nur das Problem des Opfers. Es ist das Problem einer ganzen Gesellschaft, es geht es uns alle etwas an. Wegschauen fördert nur eine Gewaltkultur, in der Gewalt an Frauen gesellschaftlich anerkannt ist.

Gewalt an Frauen ist immer noch sehr weit verbreitet – auch in Deutschland. Der aktuelle Fall aus Hameln, in dem eine Frau brutal an einem Galgen hinter einem Auto hergeschleift wurde, beweist es sehr eindrücklich. Und ich weiß, wie erleichtert bestimmt viele sind, dass der Täter kein Deutscher ist. Doch naiv ist derjenige, der glaubt, Deutsche könnten nicht genauso brutal sein. In den Frauenhäusern etwa sitzen genug Frauen, die diesen Leuten mit ihren Geschichten die Augen öffnen könnten, würden sie sie erzählen.

White Ribbon - Aktion gegen Gewalt an Frauen

Frauenfeindliche Witze sind kein Spaß

 

Doch das ist das große Problem. Wir reden nicht drüber. Dieses Thema wird in unserer Gesellschaft tabuisiert. Das passiert doch nur bei den anderen, wollen wir am liebsten glauben. Doch das stimmt nicht. Jede dritte Frau in Deutschland erlebt Gewalt. Allerdings findet Gewalt an Frauen meist nicht so öffentlich statt wie im Fall Hameln. In der Regel passiert sie in der häuslichen Umgebung – insbesondere körperliche Gewalt. Doch Gewalt fängt nicht erst mit Schlägen an. Frauenfeindliche Witze und abfällige Bemerkungen, die Einschränkung der Freiheit, sexuelle Belästigung, Demütigung, soziale Kontrolle und Stalking sind Gewalt auf psychischer Ebene und nicht minder schlimm.

Gerade bei anzüglichen Bemerkungen und sexuell konnotierten Witzen halten die meisten Frauen die Füße still. Denn man will ja nicht als Spaßverderberin, Zicke oder als prüde diffamiert werden. Doch ihr solltet euch wehren. Ich galt bei meinen Kollegen als Spaßpolizei, weil ich bei frauenfeindlichen oder rassistischen Sprüchen gegen andere immer meinen Senf dazu gegeben habe. Es war zwar ein Kampf gegen Windmühlen, aber ich fühlte mich besser damit. Ich hatte deswegen auch ein bestimmtes Standing, denn mir gegenüber hat es niemand gewagt, so ausfallend zu werden.

Mir selbst ist aber auch schon Gewalt widerfahren. Und ich bin sicher, dass einige Leserinnen dieses Textes auch betroffen sind. Deswegen ist es wichtig, anderen Betroffenen Mut zu machen und ihnen zu helfen. Natürlich im Rahmen des Möglichen. Manchmal hilft schon Reden. Jeder muss es je nach Situation abwägen. Wer selbst Hilfe braucht, sollte sich in jedem Fall jemandem anvertrauen. Denn Gewalt traumatisiert. Sie fügt der Seele große Wunden zu. Und wenn wir eine Wunde haben, gehen wir doch normalerweise auch zum Arzt, damit er uns hilft, sie zu heilen.

White Ribbon - Aktion gegen Gewalt an Frauen

Macht mit bei der White Ribbon-Kampagne

 

Deswegen ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen eine gute Aktion, um auf die Missstände und die Hilfsangebote aufmerksam zu machen. Seit 1981 finden weltweit Aktionen am 25. November gegen Gewalt an Frauen statt. Das Datum wurde in Erinnerung an den gewaltsamen Tod der Mirabal-Schwestern 1960 ausgewählt. Die Widerstandskämpferinnen aus der Dominikanischen Republik wurden damals vom Trujillo-Regime ermordet.

Seit damals hat sich zum Glück viel getan in Sachen Frauenrechte und gesellschaftliche Anerkennung. Doch auch heute leiden und sterben noch Frauen aufgrund ihres Geschlechts – auch in Deutschland. Aus diesem Grund trage ich heute die weiße Schleife (White Ribbon: ursprünglich von einer Männerbewegung gegen Gewalt an Frauen in Kanada initiiert) und mache mit bei der Aktion #schweigenbrechen. Diese Aktion soll vor allem auf das Hilfetelefon für Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, aufmerksam machen. Auch Designerin Stella McCartney und der Luxusmarken-Konzern Kering engagieren sich mit dem White Ribbon-Symbol gegen Gewalt an Frauen und haben namhafte Promis wie den französischen Fußballspieler Antoine Griezmann für ihre Aktion gewonnen.

 

Schließt euch an und setzt ein Zeichen. Tragt die weiße Schleife und teilt euren Beitrag in den sozialen Medien unter den Hashtags #schweigenbrechen #behervoice #whiteribbon. Helft mit, das Hilfetelefon bekannter zu machen. Ihr könnt außerdem die Crowdfunding-Kampagne der Kering Foundation mit einer Spende unterstützen. Das gespendete Geld geht an verschiedene NGOs, die sich für den Schutz von Frauen einsetzen.

Das Hilfetelefon ist kostenlos unter der 08000 116 016 rund um die Uhr 365 Tage im Jahr erreichbar.

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